Neugründung, Wiederaufbau und Aufstieg 1945 - 1951 PDF
Nach Kriegsende lag Vreden in Trümmern. Viele Einwohner waren an der Front oder durch die Bombardierung ums Leben gekommen. Trotzdem dauerte es nicht lange, bis die ersten heimgekehrten Sportler überlegten, den alten Spielverein wieder zu gründen. An einem Sonntag im Sommer 1945 diskutierte man diesen Gedanken beim Frühschoppen im ehemaligen Vereinslokal Verwohlt, als einige Südlohner zufällig das Gespräch wahrnahmen.

Sofort bot man für den gleichen Nachmittag ein erstes Spiel an. Obwohl der alte Sportplatz während des Krieges als Panzerparkplatz diente und somit eigentlich vollkommen unbespielbar war, nahm man das Angebot an. Tore waren ebensowenig vorhanden wie ein Ball. Während man die Tore notdürftig und kümmerlich zurecht "bastelte", war man auf einen Ball aus Südlohn angewiesen. Die Südlohner brachten zur allgemeinen Überraschung aber nicht nur einen Ball mit, sondern auch vollständige Sportbekleidung. Die Vredener hingegen traten zum Teil in langen Hosen an.

Ob es an dieser "unsportlichen Bekleidung" lag, daß man 8:1 verlor, sei dahingestellt. Die Schmach der Niederlage war jedoch Ansporn, so schnell wie möglich einen neuen Sportverein zu gründen, um wieder einen geregelten Spielbetrieb zu ermöglichen. Auf einer nach wenigen Tagen einberufenen Mitgliederversammlung wurden Anton Lübbering zum 1. Vorsitzenden und Willy Berthold zum Geschäftsführer gewählt, um den Fußballbetrieb wieder in Gang zu bringen. Als Namen wählte man "Spielvereinigung" statt des ungeliebten "VfL". Wie alle anderen Fußballvereine trat man später dem DFB nach dessen Neugründung bei. Zum Vereinslokal wurde wieder die Gaststätte Verwohlt bestimmt.

Anfangs war kaum ein Spiel möglich. Deshalb trat man gerne gegen Mannschaften der britischen Armee an. Gerade durch diese freundschaftlichen Begegnungen im Sport wurde das Verhältnis zu den "Besatzern" wesentlich verbessert. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg wurden Sportvereine gezielt zur Hebung der Volksgesundheit eingesetzt. Der nichtmilitärische Charakter der Vereine war jedoch unabdingbare Voraussetzung.

Als nach einigen Wochen schon eine größere Zahl von alten Sportlern aus der Gefangenschaft entlassen worden war, kam man zu einer ordentlichen Mitgliederversammlung zusammen. Der nun vollständige Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

 1. Vorsitzender: Bernhard Wehling
 Stellv. Vorsitzender: Anton Lübbering
 Geschäftsführer: Willy Berthold
 Kassierer:  Bernhard Lansing
 Jugendleiter:  Franz Zeiske
 Leiter d. Turnabt.: Walter Iking
 Beisitzer:  Josef Pier, Fritz Drillich
Wie auch aus der Aufgabenverteilung im Vorstand ersichtlich ist, schlossen sich die Turner und Leichtathleten zunächst wieder der Spielvereinigung an. Erst Ende 1949 gründeten sie den Turnverein Vreden 1922 unter Vorsitz von Dr. Lütkemeier neu.

Bis dorthin war es aber noch ein beschwerlicher Weg. Gerade die Bürokratie der Militärregierung und die Entnazifizierung mit den damit verbundenen Problemen behinderten eine schnelle Entwicklung. Auch die extrem schlechten Verhältnisse auf dem Platz an der Zwillbrocker Straße waren für einen geordneten Spielbetrieb wenig hilfreich.

Mit Unterstützung durch den Verein wurde der im Krieg schwer verwundete Karl Kampshoff, ein langjähriges Vereinsmitglied, als Hausmeister der Oberschule eingestellt. Mit dieser Tätigkeit am späteren Gymnasium war auch die Stelle als Platzwart verbunden, so daß man über einen "eigenen" Mann in wichtiger Position verfügte.

Da auch in den Nachbarorten die Vereine allmählich wieder entstanden, konnte ab Frühjahr 1946 der regelmäßige Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Generalprobe fand am 17. März 1946 gegen die Reservemannschaft des FC Schalke 04 statt. Vor einer großen Zuschauermenge ging das Spiel mit 5:1 verloren. Im Sommer dieses Jahres wurden auch die Vereinsvermögen allmählich wieder freigegeben.

Ab Beginn der Saison 1946/1947 durften auf Kreisebene Meisterschaftsspiele stattfinden. Weitere Entfernungen waren ohne Probleme auch nicht zu bewältigen, denn vielfach waren die Verkehrsverbindungen noch nicht wiederhergestellt. Zudem war der private Kraftfahrzeugverkehr an strenge Bestimmungen gebunden.

In der Zeit nach dem Krieg war viel Idealismus notwendig, um die Spiele stattfinden zu lassen. Mit Speck, Zigaretten und viel Überzeugungskraft wurden Verkehrsmittel, meist offene Lkw, organisiert. Aber selbst dann war das Ankommen noch nicht gesichert, wenn sich jemand zu feuchtes Holz für den Holzvergaser hatte andrehen lassen.

Die Turnabteilung hatte mit anderen Problemen zu kämpfen. Zum einen wurde die Turnhalle als Notkirche genutzt und stand nur eingeschränkt zur Verfügung. Andererseits kam im Frühjahr 1946 auch das Gerücht auf, in der Turnhalle würden militärähnliche Übungen veranstaltet. Um Probleme mit der Militärregierung zu vermeiden, wurde das Turnen wieder eingestellt. Ferner durften an den Trikots jener Zeit keine Abzeichen angebracht sein, da sie sonst als Uniformen galten, die verboten waren. Nach einiger Zeit begann man schließlich auf der Kegelbahn des Vereinswirts Verwohlt erneut mit Turnübungen.

Am 3. August 1947 sah Vreden dann das bis dahin größte Fußballereignis. Mit Borussia Dortmund stellte sich der Vizemeister der britischen Besatzungszone und amtierende Westfalenmeister einer Kreisauswahl. Vor sage und schreibe 4000 Zuschauern gewannen die Dortmunder 7:1. Die Spielvereinigung stellte mit Rehkopp, Schepers, Lansing und Härter gleich vier Spieler. In der Jugendauswahl, die gegen die Ia-Jugend Dortmunds antrat, waren mit Erning, Witting (Wissing?), Drillich und Feldhaus ebenfalls vier Spieler aus Vreden vertreten.

Besonders stolz war man in Vreden auf die Fairneß der Spieler des Vereins. In den ersten vier Jahren nach dem Krieg wurde nicht ein Spieler des Platzes verwiesen. Dies war im Kreis einmalig. Ungeniert brachte man diesen Umstand dann auch zur Verteidigung vor, als im März 1949 ein Zuschauer einen Platzverweis erhielt, nachdem er den Schiedsrichter geschlagen hatte. Zuvor hatte ein Spieler des VfB Alstätte einen Vredener derart gefoult, daß dieser mit Verdacht auf Beinbruch den Platz verlassen mußte. Meisterschaftsrivale Concordia Gronau hatte jedem Alstätter Spieler für einen Sieg eine Flasche Schnaps versprochen. Vreden hingegen verlor nicht nur den Spieler, sondern auch die Meisterschaft. Das besagte Spiel endete übrigens 1:1.

Die Spielvereinigung hatte in jenen Jahren ohnehin unmäßig viel Verletzungspech. Wie schon der VfL hatte nun auch die SpVgg quasi ein Abonnement für einen Spitzenplatz, für den Aufstieg langte es jedoch nie. Besonders hart erwischte es die 1. Mannschaft im Spieljahr 1949/1950. Bereits im ersten Spiel verlor man drei Spieler durch Verletzung und im Laufe der Saison lag die Zahl der Verletzten zeitweilig bei fünf bis acht. Besonders hart empfand man dabei den Ausfall von Auswahlspieler Hans Härter.

Immer wieder wurde der Sportplatz durch den Einsatz nimmermüder Sportler instand gesetzt. Letztlich erwies er sich aber doch als "zu klein". Deshalb wurden durch die Stadt angrenzende Grundstücke erworben, so daß das Spielfeld vergrößert werden konnte. Unter tatkräftiger Mithilfe der Sportler wurden ab Herbst 1949 Nägel mit Köpfen gemacht, und Vreden erhielt ein Sportstadion, das weit und breit seinesgleichen suchte. Neben dem Fußballfeld und den Leichtathletikanlagen war sogar eine Radrennbahn vorhanden. Finanzielle Förderung erfuhr der Vredener Sport vom Fabrikanten Carl Hecking und der Westdeutschen Toto-GmbH. Während der Bauarbeiten wich man wieder zur Norbertstraße aus.

Als das Stadion am 27. August 1950 offiziell eingeweiht wurde, erwartete die Zuschauer ein buntes Programm. Besonders hervorzuheben ist die Ehrung verdienter Sportler. Hermann Küster und Theo "Dörsken" Siehoff wurden für 20-jährige Mitgliedschaft in der Spielvereinigung geehrt. Theo Siehoff hatte in dieser Zeit mehr als 1000 Spiele für die SpVgg bestritten.

Zur Eröffnung des Stadions wurden u. a. zwei Freundschaftsspiele ausgetragen. Die Spielvereinigung unterlag dem TuS Stadtlohn mit 3:1 weniger deutlich als die Kreisauswahl, die sich dem Oberligisten TSV Hüls mit 5:1 geschlagen geben mußte.

Der Vorstand im Jahre 1950 setzte sich wie folgt zusammen:

 1. Vorsitzender: Dr. Karl Brambrink
 Stellv. Vorsitzender: Anton Lübbering
 Geschäftsführer: Heinrich Pennekamp
 Stellvertreter:  Georg Feldhaus
 Kassierer:  Josef Resing
 Jugendleiter:  Franz Zeiske
 Beisitzer:  Willy Amerongen, Bernhard Wehling
 Fußballobmann: Karl Kampshoff
 Stellvertreter:  Dr. Alois Benneker
 Leichtathletikwart: Heinz Hertel
Zwischenzeitlich waren auch Heinrich Wesseler als Beisitzer und Johann Hilbing als Gerätewart Mitglied im Vorstand gewesen.

Im neuen Widukind-Stadion gelang der SpVgg dann auch endlich der langersehnte Aufstieg. Mit 39:5 Punkten und 85:25 Toren wurde man unter dem neuen Vorsitzenden Anton Lübbering Meister der 1. Kreisklasse und stieg im Jubiläumsjahr 1951 in die Bezirksliga Emsland auf. Erstmals seit Auflösung der DJK-Gauliga konnte man sich also überkreislich mit anderen Vereinen in der Meisterschaft messen.

SpVg Vreden wurde geehrt

Vreden feierte seine Fußballmannschaft nach dem die Serie der Punktspiele beendenden 4:2-Sieg gegen Germania Asbeck. Vreden wurde als beste und beständigste Mannschaft des Kreises Meister in der 1. Kreisklasse. Ein Umzug, Ueberreichung von Blumengebinden durch den Verband und die Stadtverwaltung und strahlende Gesichter waren die äußeren Zeichen dieses frohen Tages. Die MZ wünscht an dieser Stelle weiterhin viel Erfolg bei seinem Weg in der Kreisklasse Emsland.

(Michael Cluse 1996)
1. SpVg Vreden

22

18

3

1

85:25

39:5 

2.

Adler Weseke

21

15

0

6

72:34

30:12

3.

FC Südlohn

22 12 3 7 59:48 27:17
4. FC Oeding 22 12 1 9 55:54 25:19
5.

Germ. Asbeck

22

10

2

10

51:42

22:22

6.

VfB Alstätte

21 9 3 9 43:38 21:21
7. Union Wessun 21 9 3 9 44:41 21:21
8. SuS Legden 21 7 4 10 41:51 18:24
9. SV Heek 22 7 4 11 30:39 18:26
10. FC Epe II

22

7

3

12

30:52

17:27

11.

TuS Wüllen

22

5

3

14

40:63

13:31

12.

FC Ottenstein

21

4

0

17

28:67

 8:34

 

Literaturverzeichnis

Hardy Grüne Enzyklopädie der europäischen Fußballvereine, 2. Aufl., Kassel 1995.
Heinz Haarmann Die Geschichte des Vereins, in: 50 Jahre TV 22 e.V. Vreden, hrsg. v. TV Vreden, Vreden 1972, S. 21 - 39.
Georg Kremer 50 Jahre Sp.Vgg. Vreden in Wort und Bild, in: 50 Jahre Spielvereinigung Vreden 21, hrsg. v. d. Sp.Vgg. Vreden, Vreden 1971.
Alfred Laumann Spiel- und Sport im Kreise Ahaus, in: Ahauser Kreiskalender 1923, hrsg. v. Kreis Ahaus, Bocholt 1923, S. 42 - 43. (Nachdruck in: Ahauser Kreiskalender 1923 - 1927, hrsg. v. Kreis Borken, Borken 1982, S. 46 - 47.)
Franz Leuters Kreis Ahauser Chronik - Alte Zeitungsbände berichten von 1900 bis 1920 - Zeitungsnotizen aus der Provinz, Ahaus 1990.
Anton Lübbering Kurzer Überblick der Vredener Sportgeschichte, in: Festschrift zur Einweihung des Widukind-Stadions, Vreden 1950, S. 29 - 49.
o. V. 25 Jahre FC Vreden 1952 - 1977, hrsg. v. FC Vreden 52, Vreden 1977.
o. V. 60 Jahre - Festschrift FC Viktoria Heiden e. V., hrsg. v. FC Viktoria Heiden, Heiden 1981.
Ludwig Remling Die "Deutsche Jugendkraft" im Emsland - ein Beitrag zum Vereinssport in den zwanziger und dreißiger Jahren, in: Jahrbuch des emsländischen Heimatbundes, Band 42, o. O. 1996, S. 9 - 31.
Dietmar Sauermann Nachbarschaften und Vereine, in: Heimat und Arbeit - Der Kreis Borken, hrsg. v. Konrad Theiss und Hans Schleuning, Stuttgart 1982.
Ulfert Schröder Fußball in Deutschland, in: Fußball-Weltgeschichte, hrsg. v. Fritz-Walter-Fonds, München o.J., S. 68 - 81.
F. A. Schmidt Aus der Vorgeschichte und Entstehung des Westdeutschen Spielverbandes, in: Jubiläumsschrift des Westdeutschen Spielverbandes e. V. 1899 -1924, hrsg. v. Westdeutschen Spielverband, Elberfeld 1924, S. 109 -113.
Josef Volks Vreden - eine sportliche Stadt, in: Vreden nach 1150 Jahren, hrsg. v. d. Stadt Vreden, Vreden 1989, S. 437 - 463.
 
 
Der VfL Vreden (1934 - 1939) PDF

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht in Deutschland übernahmen, brachen auch für die DJK schwere Zeiten an. Politisch erklärte die DJK die Rechten wie die Linken zum Feind. Mitgliedschaft im rechtsextremen "Stahlhelm" oder der NSDAP zog den Ausschluß aus der DJK nach sich. Statt dessen bestanden enge Bindungen zwischen DJK und Zentrumspartei. Gerade die katholischen Lehrer engagierten sich in beiden Organisationen. In Vreden war es der Lehrer Leo Böning, der den Vorsitz der Spielvereinigung übernommen hatte.

Mitte Februar 1933 wurde im Bezirk Westfalen zunächst der Sportverkehr zwischen Vereinen der DJK und des WSV verboten. Im August 1933 wurden dann kurzfristig die DJK-Meisterschaften abgesagt, so daß die SpVgg nur noch Freundschaftsspiele gegen andere DJK-Mannschaften bestreiten durfte.

Im gleichen Monat erließ der Vorstand des Turnvereins eine vereinsinterne zweimonatige Wettkampfsperre gegen zwei Mitglieder des TV, da sie auch für die Spielvereinigung angetreten waren. Doppelmitgliedschaften waren zu jener Zeit offenbar nicht unüblich.

Durch das Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 wurde die DJK zunächst in die Liste der genehmigten Verbände aufgenommen. Im Rahmen der Gleichschaltung mußte der Wettkampfbetrieb dann später in die Fachverbände, also DFB bzw. WSV, eingegliedert werden.  Aus dem Verband der DJK im Kreis Ahaus/Coesfeld wurde nur Rasensport Coesfeld der ersten Kreisklasse zugeteilt. Eintracht Coesfeld, TuS Stadtlohn und SpVgg Vreden kamen in die zweite Kreisklasse und die restlichen Mannschaften gar in die dritte Kreisklasse.

Die Mannschaft dieser Tage:

                                        Höpers
                      Anton Siehoff I      Theo Siehoff
               te Kampe      Anton Siehoff II       Küsters
     van Riessen     Lübbering     Rotering     Spillner     Effing

Obwohl der Erhalt der DJK zunächst gesichert erschien, gab es an höherer Stelle weiter Bestrebungen, den konfessionellen Verband gänzlich aufzulösen. Die Spielvereinigung beugte sich 1934 diesem Druck und wurde mit dem Turnverein zum Verein für Leibesübungen (VfL) fusioniert und dem Reichsbund für Leibesübungen angeschlossen. Auch in anderen Orten kam es zu solchen Zusammenschlüssen. Insbesondere die Vereine der DJK  lösten sich zum Teil auch ganz auf.

Die letzte eigenständige Meisterschaftssaison der DJK endete mit folgenden Tabellenplätzen:
Gauklasse
Gruppe Nordmünsterland  Gruppe Westmünsterland

1. Matellia Metelen             1. SV Stadtlohn 20

2. SV Salzbergen                  2.  Eintracht Coesfeld

3. Arminia Ochtrup              3. SpVgg Vreden

4. VfL Ahaus                        4. Tapfer Ottenstein

5. Teutonia Riesenbeck      5. Union Wessum

6. Falke Horstmar                 6. TuS Wüllen

7. Stella Bevergern

In Vreden fand die Fusion gegen den Widerstand weiter Teile der SpVgg und auch des TV statt. Um aber überhaupt weiterhin am Wettkampfbetrieb teilnehmen zu können, biß man in den sauren Apfel. Daß der Vorsitzende Böning von den neuen Machthabern als "politisch nicht zuverlässig" bezeichnet wurde, dürfte das Wohlwollen für die Fusion nicht gerade gefördert haben. Der Turnverein, der sich bei Gründung der Deutschen Turnerschaft angeschlossen hatte, war von Repressalien weitgehend verschont geblieben. Er mußte allerdings die vereinseigene Turnhalle bei Bußmann der Allgemeinheit zugänglich machen.

Zum Vereinsführer des VfL Vreden wurde Georg Landgraf bestimmt. Franz Feller von der "alten Spielvereinigung" wurde 2. Vorsitzender, Willy Berthold Schriftführer. Als nicht-konfessioneller Verein hatte der VfL Vreden keinen Präses mehr.

Die 1. Fußballmannschaft des neuen VfL Vreden konnte im ersten Spieljahr in der neuen Klasse gut mithalten, der Aufstieg gelang jedoch TuS Stadtlohn. Voller Stolz wurde aber in der Festschrift zur Einweihung des Widukindstadions  berichtet, daß man in den folgenden acht Jahren gegen die Stadtlohner in Pokal- oder Freundschaftsspielen nie verloren habe !?

Bis Kriegsbeginn spielte der VfL stets in der Spitzengruppe seiner Liga mit, der Aufstieg gelang indes nie. Lediglich in der Saison 1936/1937 kämpfte man erfolglos gegen den Abstieg. Mit 6:22 Punkten aus 14 Spielen belegte man den letzten Tabellenplatz. Das Torverhältnis von 20:30 zeigt aber, daß die Spiele meist mit nur einem Tor Unterschied knapp und unglücklich verloren gingen. Aus heute nicht mehr bekannten Gründen durfte man jedoch auch im folgenden Jahr wieder in der zweiten Kreisklasse antreten.

VfL. Vreden

ist trotz aller Anstrengungen nicht vom letzten Tabellenplatz fortgekommen. Auch diese Mannschaft trifft das bittere Los des Abstiegs, nachdem sie noch vor einem Jahr zusammen mit TuS Dülmen um den Aufstieg in die 1. Kreisklasse gekämpft hatte. Vreden war wie selten eine Mannschaft vom Fußballglück verlassen. Fast alle Spiele gingen mit einem Tor Unterschied verloren, was auch schon aus dem guten Torverhältnis von 20:30 Toren ersichtlich ist. Auf Grund ihres Könnens hätte die Mannschaft einen guten Mittleplatz verdient, aber, wie gesagt, es fehlte dazu das Glück. Da Vreden zur Zeit über die beste Jugendmannschaft der Kreise Ahaus und Coesfeld verfügt, so sollte Vreden in der Lage sein, in der nächsten Spielserie eine Stammannschaft zu stellen, der ein Aufstieg in die 2. Kreisklasse nicht schwer sein sollte. Im Gegensatz zu Darfeld und Nordwalde, die bei mehreren Spielen nicht antraten, haben die Vredener nie den Mut noch die Disziplin verloren, sondern Spiel um Spiel bis zum bitteren Ende ausgetragen, obwohl immern alles vergeblich war. Wir wünschen der sympathischen Mannschaft des VfL. Vreden mehr Glück in der 3. Kreisklasse und sprechen den Wunsch aus, daß wir sie in der übernächsten Spielzeit wieder in der 2. Kreisklasse finden werden.

 

VfL Epe

14

12

1

1

55:16

25:3 

FC Metelen

14

9

2

3

33:17

20:8 

Rasensport Coesfeld

14

8

2

4

39:19

18:10

TuS Gescher

14

7

3

4

24:38

17:11

FC Ottenstein

14

5

1

8

22:37

11:17

SC Nordwalde

14

3

2

9

23:27

 8:20

Turo Darfeld

14

3

1

10

21:50

 7:21

VfL Vreden

14

2

2

10

20:30

 6:22

(Originalzeitungsausschnitt liegt vor)


(Originalausschnitt liegt vor, ist aber stark beschädigt)

1937 konnte der VfL Vreden trotz des schlechten Abschneidens der 1. Seniorenmannschaft den größten Fußball-Erfolg seiner Geschichte verzeichnen. Erst im Endspiel unterlag die Ia-Jugend Borussia Rheine und war somit Vize-Westfalenmeister. Zu dieser Zeit hatte Walter Steinert den Vorsitz inne. Ihm folgten Anfang 1939 Heinz Haarmann und, als dieser Ende 1939 zur Wehrmacht eingezogen wurde, Heinrich Pennekamp. Heinz Haarmann stammte ehemals vom Turnverein, während Walter Steinert und Heinrich Pennekamp 1924 vom aufgelösten FC 1921 zur SpVgg gewechselt waren.

 
Die Spielvereinigung Vreden 1921/DJK (1921-1934) PDF

Binnen weniger Jahre stieg die erste Mannschaft der Spielvereinigung bis in die Gauklasse Münsterland auf. Die Herbstmeisterschaft in der B-Klasse holte man 1922 (?) mit 8 Siegen in 9 Spielen und einem Torverhältnis von 61:11. Wie man anhand der Tordifferenzen und der geringen Anzahl von "Unentschieden" gut erkennen kann, war die Leistungsstärke der Mannschaften höchst unterschiedlich.

 

 

Spiele

gew.

un.

verl.

Tore

Pkte.

Vreden

9

8

0

1

61:11

16

Ottenstein

9

7

0

2

14:8 

14

Stadtlohn

8

7

0

1

11:11

14

Dömern

9

5

1

3

26:17

11

Wessum

8

4

0

4

26:15

8

Gronau

7

3

0

4

 9:13

6

Wüllen

8

3

0

5

13:16

6

Epe

8

2

1

5

 6:11

5

Heek

9

1

1

7

 6:33

3

Nienborg

9

0

1

8

11:48

1

 

(Originalzeitungsausschnitt im Festbuch 50 Jahre SpVgg)
Die Anreise zu den auswärtigen Gegnern war beschwerlich und teuer, wobei die anfallenden Kosten selbstverständlich von den Spielern übernommen wurden. Während die nähergelegenen Orte noch mit dem Fahrrad zu erreichen waren, falls man eines hatte, wurden für die Auswärtsspiele in der Gauliga oft motorisierte Verkehrsmittel notwendig. Anfangs erfolgte die Anreise auf der Ladefläche eines Lkw. Später reiste man mit dem Bus des Dachdeckers Hans Josten.

Von einer bemerkenswerten Anreisetechnik berichtet eine Festschrift des FC "Viktoria" Heiden:

"Hatte man ein Spiel in einem anderen Ort ausgemacht, so mußte man mangels eines Beförderungsmittels dort hinlaufen. Besaß aber jemand ein Fahrrad, so mußte dieser zwei Mitspieler darauf mitnehmen. Nach einem Kilometer Fahrt wurde das Gefährt abgestellt und es ging per Pedes weiter. Die zu Fuß folgenden Mitspieler übernahmen das Rad und holten die erste Gruppe ein. Dann blieb das Fahrrad wieder stehen für die Nachfolgenden. So erreichte man trampelnd oder mitfahrend in Etappen das Ziel."

Sicherlich gab es auch in Vreden und anderen Orten ähnliche "Fortbewegungstechniken". Gerade bei den Reserve- und Jugendmannschaften, die nicht so im Blick der Öffentlichkeit standen, war Improvisationskunst gefragt.

Die herausragenden Spieler jener Zeit waren Ludwig Siehoff (halbrechts), Georg Waning (linker Verteidiger), Mittelläufer Heinrich Bußmann und der Spieler Pottas, dessen "stramme Schüsse" den Vredenern regelmäßig zum Sieg verhalfen. Nicht alle Spieler dieser Tage waren gebürtige Vredener, denn durch Zoll und Amtsgericht kamen regelmäßig neue starke Fußballer nach Vreden.

Im Jahre 1926 berichtete die Ahauser Kreiszeitung von einem Maigang der Spielvereinigung. Am 2. Mai, einem Sonntag, zog man frühmorgens nach Südlohn, um dort zunächst die hl. Messe zu feiern. Eine "ansehnliche Zahl" von Mitgliedern nahm an diesem Maigang teil, der mit einem Spiel gegen Südlohn abgeschlossen wurde.

Während der zwanziger Jahre wurde auch der Platz an der Zwillbrocker Straße in einen ordnungsgemäßen, also waagerechten, Zustand gebracht. Aus nicht mehr bekannten Gründen dauerte diese Maßnahme ganze fünf Jahre. In Eigenarbeit wurde für diese Zeit ein Ersatzplatz an der Norbertstraße geschaffen.

Obwohl der Turnverein Vreden als eigenständiger Verein existierte, stellte die Spielvereinigung ebenfalls eine Turn- und Leichtathletikriege. Über die Grenzen Vredens hinaus war die aus den acht Tigges-Brüdern bestehende Turnriege bekannt.

Der Vorstand setzte sich Ende der zwanziger Jahre aus folgenden Herren zusammen:

 Präses:   Kaplan Kruse
 Ehrenvorsitzender: Johann Schwering
 Vorsitzender:  Karl Kremer
 Stellv. Vorsitzender: Leo Böning
 Beisitzer:  Franz Feller und Franz Drillich
 Jugendobmann: Bernhard Waning
 Schriftführer:  Josef Lütjenhuis
Zwischenzeitlich hatten auch Gerhard Weissing und der Betriebsleiter Seifert den Vorsitz übernommen.

Ein besonderer Höhepunkt dieser Zeit waren die Spiele gegen Zevenaar (NL) und Berlin-Spandau. Die Mannschaft reiste damals in den bei Arnheim gelegenen Ort und gewann "durch Kampf und Leistung" 5:2. Ostern 1929 ging auf dem Platz von DJK Stadtlohn ein Spiel gegen Spandau 1911, den damaligen Landesmeister Mitteldeutschland, mit 4:2 verloren.

Die Spielvereinigung war unter Spielführer Paul Wichmann auch in der Gauklasse eine der besten Mannschaften, obwohl ihr nie der Titelgewinn gelang. Am 19. März 1933 ging der Aufstieg in die neue Gau-Sonderklasse erst nach einem Entscheidungsspiel gegen Eintracht Coesfeld in der Verlängerung verloren. Für die Auswahlmannschaft des Gaus Nord-Münsterland stellten die Vredener regelmäßig einige Spieler.

Auch die zweite Mannschaft spielte stark und stieg bis in die A-Klasse auf. Die Ia-Jugend konnte in der Saison 1926/1927 die Meisterschaft erringen. Aufgrund ihrer Spielstärke wurde die Ia-Jugend 1930 zu einem überregionalen Pfingstturnier nach Gelsenkirchen eingeladen. Über den Erfolg der Mannschaft ist leider nichts überliefert (was ein schlechtes Zeichen sein könnte...). Die Vereinsfarben wechselten spätestens gegen Ende der zwanziger Jahre zu den Stadtfarben Blau-Gelb.

Die folgenden Sportler zählten in dieser Zeit zu den Stammspielern im Seniorenbereich: Amerongen, Beutler, Boll, Dünne, Effing, Frenefort, Garwer, Hesse, Küsters, Anton Lübbering, Josef Lübbering, Mehlmann, Powiersky, Rotering, Scherer, Anton Siehoff (I und II), Ludwig Siehoff, Theo Siehoff, Sokulowsky, Spillner, Steinert, te Kampe,Tenostendarp, van Riessen und Wichmann.

Anfang der dreißiger Jahre hatte der Verein ca. 250 Mitglieder, von denen etwa 150 (!) auch aktiv spielten. Insgesamt waren es bis 1933 fünf Mannschaften. Während der Wintermonate sorgte zudem die Theatergruppe der Spielvereinigung für Unterhaltung. Das Vereinslokal der Spielvereinigung befand sich von Anfang an in der Gaststätte Verwohlt, die später von den Familien Watzlawek und Dolic übernommen wurde.

Präses der Spielvereinigung war bis 1926 Kaplan Nordhoff. Sein Amt übernahm nach seiner Versetzung Kaplan Kruse. Dessen Nachfolger wurde Kaplan Stratkötter, der spätere Lüntener Pfarrer. Er war zuvor schon Präses bei Schwarz-Weiß Lüdinghausen gewesen und somit "fußballerfahren".

Außer den sportlichen und religiösen Aktivitäten nahmen verschiedene Mitglieder der Spielvereinigung am freiwilligen Arbeitsdienst teil und halfen wie auch die Mitglieder des Turnvereins bei den Bauarbeiten an der städtischen Freibade- und Schwimmanstalt an der Berkel, in der heute die Rechtsanwaltskanzlei Gawantka untergebracht ist.
 
SpVgg Vreden 1921/DJK und FC Vreden (WSV) PDF

Aus heutiger Sicht erscheint es selbstverständlich, daß der Deutsche Fußballbund (DFB) mit seinen Regionalverbänden den alleinigen Fußballverband darstellt. Vor 75 Jahren hingegen hatten die Sportvereine mehrere Sportverbände zur Auswahl, von denen verschiedene auch Fußballmeisterschaften austrugen.

Die wichtigsten Sportverbände waren damals der DFB, die Deutsche Turnerschaft (DT), der sozialistische Arbeiter-Turn- und Sportverband (ATSB) sowie die DJK, die allesamt auch in den Reichsausschuß für Leibesübungen aufgenommen wurden.

Der Sportverband "Deutsche Jugendkraft - Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen" (DJK) wurde am 16. September 1920 in Würzburg gegründet und hatte die Pflege des Sports in katholischen (Männer-)Vereinen als Ziel. Frauenturnen wurde im DJK-Verband erst ab 1928 gefördert. "Rohe" Sportarten, wie etwa das Boxen, waren in der DJK verboten, Personenkult war unerwünscht. Das evangelische Pendant war der Verband evangelischer sporttreibender Vereine "Eichenkreuz".

Von den Mitgliedern der DJK-Vereine wurde verlangt, daß sie einem der Trägerverbände, z. B. einem Arbeiter - oder Gesellenverein, angehörten. Auch an dessen religiösen Veranstaltungen wurde eine aktive Teilnahme erwartet. Der zweite Sonntag des Monats war Familiensonntag und somit wettkampffrei. An den übrigen Sonntagen wurden die Wettkämpfe so gelegt, daß ein Meßbesuch möglich war. Oft wurde auch die Sportveranstaltung selbst mit einer Andacht verbunden.

Die Achtung des Vereins wurde in hohen Ehren gehalten. Alkoholische Getränke waren auf dem Sportplatz verboten und Mädchen durften zum "Spielplatz oder sonstigen Veranstaltungen" nicht "mit sich geführt" werden.

Bemerkenswert war die starke regionale Orientierung des DJK-Verbands. Über den Kreisligen gab es nur die Gauliga, höhere Spielligen waren nicht vorgesehen. Da die Sportler die Reisekosten selbst zu tragen hatten, war diese Beschränkung wohl von Vorteil, da das Fußballspielen bezahlbar bleiben mußte. Für die DJK-Vereine des Bistums Münster war der DJK-Kreis Rhein-Weser mit Sitz in Düsseldorf zuständig. Er stellte auch die Startbücher aus, die mit den heutigen Spielerpässen vergleichbar waren.

Angesichts des katholischen Hintergrundes der Spielvereinigung ist wohl keine lange Diskussion über die Verbandszugehörigkeit notwendig gewesen. Unter dem vollständigen Namen "Spielvereinigung Vreden 1921/DJK" ging man mit schwarz-roten Trikots in die erste Saison.

Andere Spieler hatten, wie bereits erwähnt, im Frühsommer 1921 den FC Vreden 1921 gegründet. Dieser war dem WSV als zuständigem Regionalverband des DFB angeschlossen und spielte 1923 in der C-Klasse des WSV, während die SpVgg zu dieser Zeit in der B-Klasse der DJK spielte. Beide Mannschaften galten als gleich stark, so daß man annehmen darf, daß die B-Liga des WSV in der hiesigen Gegend stärker war als die B-Liga der DJK.

Über den FC Vreden 1921 ist nur wenig überliefert. Am 26. August 1921 wurde ein Gesuch, den städtischen Sportplatz benutzen zu dürfen, wegen übermäßiger Belastung desselben abgelehnt. Am 23. Juni 1924 wurde der "Fußballklub 1921" auf eigenes Gesuch hin dem Ortsausschuß für Jugendpflege unterstellt, um an den städtischen Zuschüssen beteiligt zu sein. Später in diesem Jahr löste sich der FC 1921 wegen Spielermangels auf, wobei bzw. weil sich die verbliebenen Mitglieder der Spielvereinigung anschlossen. Im FC 1921 ist somit ein Vorläufer der heutigen Spielvereinigung und nicht etwa des FC Vreden 1952 zu sehen.

Weitere Vereine aus dem Vredener Raum, die sich z. T. aber erst später gründeten, waren TuS "Arminia" Ellewick (Gründung unbekannt), Grün-Weiß Lünten (1930), SV Ammeloe (1923) und Dömern (ca. 1922), alle Mitglied im DJK Verband. Im WSV war Vreden nach Auflösung des FC 1921 nicht mehr vertreten. Eine weitere Mannschaft stellte vorübergehend der Verein "Vredener Turnerbund" auf. Sie löste sich jedoch nach kurzer Zeit wieder auf. Zum Teil schlossen sich Vereine auch einem Verband an, ohne an den Meisterschaftsspielen teilzunehmen, wie z. B. DJK Viktoria Heiden.

Die Turnabteilung der Spielvereinigung machte sich am 25. September 1922 unter der Führung von Klemens Vogt und Präses Nordhoff selbständig und schloß sich der Deutschen Turnerschaft (DT) an. Bereits vorher hatte die Stadt der Turnabteilung einen Barren und ein Pferd zur Verfügung gestellt.

Die Faustballmannschaft verblieb vermutlich bei der SpVgg, über ihren weiteren Werdegang ist jedoch leider nichts überliefert. Später stellte die SpVgg auch wieder eine Turnriege sowie eine Handballmannschaft.

 
Fußball von 1914 - 1921 PDF

Als die Soldaten nach dem Krieg allmählich in ihre Heimat zurückkehrten, konnten die alten Vereine schnell wieder neue Mannschaften aufstellen. Man darf annehmen, daß viele Soldaten im Feld erstmals aktiv am Fußball teilnahmen und den Sport lieben lernten. Somit wurden nach dem Krieg auch viele neue Vereine gegründet.

Die Vereinsgründungen wurden zumeist wohlwollend gefördert, galt es doch, die durch die sogenannte "Hungerblockade" geschwächte Bevölkerung "körperlich zu ertüchtigen und zu erneuern. [...] Wenn so der Sport Gemeingut unserer ganzen Jugend geworden ist, dann wird diese unsere sporttreibende Jugend heranwachsen zu einem körperlich und geistig gesunden Geschlecht, das zu den besten Hoffnungen für unser geliebtes, deutsches Vaterland berechtigt."

Auch in Vreden kam der Fußball endlich zur Entfaltung. Den Anfang machte der Gesellenverein, die heutige Kolpingfamilie. Unter Präses Kaplan Jacobs wurde im Frühjahr 1920 eine Fußballabteilung gegründet. Die Initiative hierfür ging vor allem von Josef Steinmann und Franz Feller aus.

An der Zwillbrocker Straße war bereits ein Turn- und Sportplatz vorhanden, den man für Fuß- und Faustballspiele nutzte. Desweiteren lag dort auch eine Tennisanlage. Leider war das Spielfeld nicht waagerecht angelegt, so daß die Mannschaften je eine Halbzeit bergauf bzw. bergab spielten. Als Spieltag war schon damals der Sonntag vorgesehen.

Als sich nach einiger Zeit eine erste und eine zweite Mannschaft herausbildeten, erwarben die Spieler eine Mannschaftskluft. Ganz selbstverständlich wurde die grün-weiße Sportkleidung vom Spieler aus eigenen Mitteln erworben.

Als erstem Gegner stellte man sich dem HFC Haaksbergen, der den Weg über die Grenze gerne antrat. Die Aufstellung des großen Spiels lautete:
                                           
                                                        Gier    
                                    Josef Leppen   Hermann Leppen
                             Franz Feller      Kentrup   Josef Steinmann
        van Öpen  Ludwig Siehoff     Kruwe(r?) (Josef ?) Lütjenhuis Terbrack

Der Volksschullehrer Georg Evers leitete dieses Spiel, das mit 2:0 Toren für den holländischen Gast endete. Aufgrund übermäßiger Härte soll es "einige kleine Zwischenfälle" gegeben haben, wobei ein angeschlagener Spieler der Einfachheit halber auf einer Leiter stadteinwärts gebracht wurde. Dennoch erfüllte das Spiel seinen Werbezweck.

Im April 1920, also zeitgleich mit dem Gesellenverein, beschloß der Katholische Arbeiter-Verein (heute: KAB St. Georg) ebenfalls, eine Turn- und Fußballabteilung zu gründen. Unter Führung von Präses Kaplan Nordhoff wurde an der Chaussee nach Wüllen ein Sportplatz errichtet, auf dem die Spiele in rot-weißen Trikots ausgetragen wurden.

Im Oktober 1920 berichtete das Ahauser Kreisblatt von einem S.V. 20 Vreden, der den ASV Ahaus mit 2:0 besiegte. Es läßt sich leider nicht endgültig klären, ob es sich um einen weiteren Verein handelte, oder ob einer der oben genannten Vereine unter diesem Namen antrat. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß dies der vorübergehende Name der Sportabteilung des Arbeitervereins war, da dieselbe Zeitung im April 1921 im Zusammenhang mit dem Arbeiterverein vom Turn- und Sportverein Vreden sprach. Als herausragende Fußballer des S.V. 20 Vreden wurden die Spieler Stroetmann und Waning genannt.

Der Gesellenverein hingegen trat des öfteren unter der Bezeichnung "Jugendverein" an. Er verfügte im Juni 1921 über mindestens drei Mannschaften. Eine weitere Mannschaft hatte inzwischen auch die Höhere Stadtschule aufgestellt. Da dies eine Schulmannschaft war, setzte sie sich sicherlich teilweise aus Spielern der anderen Vereine zusammen.

Im Frühjahr 1921 wurde mit dem FC Vreden 1921 ein weiterer Verein gegründet. Bereits im Juni 1921 spielte der FC mit zwei Mannschaften. Dem Fußballsport war unbestreitbar auch in Vreden der Durchbruch gelungen. Die Förderung durch Kirche und Schulen machte es dem Fußball sicherlich leichter, gesellschaftlich anerkannt zu werden, denn welche Eltern konnten ihren Kindern schon einen Sport verbieten, für den sich Lehrer und Kapläne einsetzten.

Da der FC 1921 dem WSV angeschlossen wurde, konnte er auch an Meisterschaftsspielen teilnehmen. Vermutlich waren es Spieler aus den Mannschaften des Arbeiter- bzw. Gesellenvereins, die den FC 1921 gründeten, da ihre Stammanschaften keinem Verband angehörten und somit keine Titelwettkämpfe bestreiten konnten. Im April 1921, also zur Zeit der Gründung des FC, warb der Gesellenverein ausdrücklich um neue Mitglieder für die Sportabteilung. Möglicherweise sollte hierdurch die Abwanderung von Spielern zum FC 1921 ausgeglichen werden.

Im Spätsommer 1921 machte Kaplan Nordhoff nach einem Freundschaftsspiel der Mannschaft des Arbeitervereins gegen die Mannschaft des Gesellenvereins den Vorschlag, die beiden Sportabteilungen zu einer Spiel-Vereinigung zu fusionieren. Gegen einigen wohl unvermeidlichen Widerstand wurde somit die Spielvereinigung Vreden 1921 geboren. Mit Anton Jöster und Johann Schwering hatte der neue Verein zwei Gründungsvorsitzende. Die zuvor erfolgte Gründung des FC 1921 mag Grund für die Fusion gewesen sein.

Das genaue Gründungsdatum der SpVgg ist nicht mehr bekannt. Alten Zeitungsberichten läßt sich entnehmen, daß der Jugend- und Gesellenverein Mitte September 1921 noch unter eigenem Namen antrat. Am 20. Oktober des Jahres wurde über ein Spiel des "Arbeitervereins Vreden" im Rahmen der DJK-Meisterschaften berichtet. Am 14. November wurde diese Mannschaft als Vertretung des "Arbeiter- und Gesellenvereins" bezeichnet. Es ist daher anzunehmen, daß auch im Oktober dieselbe Mannschaft der SpVgg gemeint war. Die Fusion der Mannschaften zur Spielvereinigung dürfte somit Ende September/Anfang Oktober erfolgt sein, wobei der Name "Spielvereinigung" möglicherweise noch nicht sofort gewählt wurde.

 

 
Fußball vor 1914 PDF

Seit langem ist der Fußball als Volkssport Nr. 1 aus dem täglichen Geschehen nicht mehr wegzudenken. Dennoch beginnt seine eigentliche Geschichte in Deutschland erst vor rund 120 Jahren.

1874 wurde an einem Braunschweiger Gymnasium erstmals regelmäßig und organisiert Fußball gespielt. Ab 1881 wurden von Düsseldorf aus Vereine "für Körperpflege" oder "für Bewegungsspiele" gegründet, die unter anderem auch Fußball spielten. Dabei wurde zunehmend nach einheitlichen "englischen" Regeln gespielt. Nachdem der Fußballsport 1889 auf dem VII. Turnfest in München einem größeren Publikum vorgestellt worden war, dauerte es noch knapp zehn Jahre, bis 1898 in Düsseldorf eine lose Organisation aus gerade mal drei Fußballclubs und fünf Turnvereinen gegründet wurde. Daraus entstand 1899 der Westdeutsche Spielverband (WSV).

Auf dem ersten Spiel- und Sportfest am 13.-15. Mai 1899 in München-Gladbach traten bereits neun Fußballmannschaften an. 1901 stieg die Anzahl dann schon auf 34 Mitgliedsvereine. Es handelte sich allerdings überwiegend um Mannschaften aus dem Raum Rhein/Ruhr. In Anbetracht der schlechten Verkehrsanbindung des Westmünsterlandes wäre eine Teilnahme hiesiger Mannschaften ohnehin kaum möglich gewesen. Der älteste Fußballverein des Kreises Borken ist vermutlich der FC Bocholt 1900. Nicht alle Vereine schlossen sich nach der Gründung aber auch sofort Verbänden an.

Erst für die Jahre 1907/1908 finden sich Hinweise auf fußballerische Aktivitäten im Altkreis Ahaus. In Ahaus wurde der Ahauser Ballspielclub ABC 08 gegründet. 1910 war die Fußballbegeisterung dort bereits so gewachsen, daß ca. 1000 Zuschauer einen Ahauser 8:0 Sieg gegen Borussia Rheine miterlebten. Weitere Gegner fanden die Ahauser in Gronau, Coesfeld und Legden. Eine Vredener Mannschaft gab es zu jener Zeit noch nicht.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 wurden die jungen Fußballer zunehmend zum Kriegsdienst einberufen, so daß der Spielbetrieb im Verlauf des Krieges eingestellt werden mußte.