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Nach Kriegsende lag Vreden in Trümmern. Viele Einwohner waren an der Front oder durch die Bombardierung ums Leben gekommen. Trotzdem dauerte es nicht lange, bis die ersten heimgekehrten Sportler überlegten, den alten Spielverein wieder zu gründen. An einem Sonntag im Sommer 1945 diskutierte man diesen Gedanken beim Frühschoppen im ehemaligen Vereinslokal Verwohlt, als einige Südlohner zufällig das Gespräch wahrnahmen.
Sofort bot man für den gleichen Nachmittag ein erstes Spiel an. Obwohl der alte Sportplatz während des Krieges als Panzerparkplatz diente und somit eigentlich vollkommen unbespielbar war, nahm man das Angebot an. Tore waren ebensowenig vorhanden wie ein Ball. Während man die Tore notdürftig und kümmerlich zurecht "bastelte", war man auf einen Ball aus Südlohn angewiesen. Die Südlohner brachten zur allgemeinen Überraschung aber nicht nur einen Ball mit, sondern auch vollständige Sportbekleidung. Die Vredener hingegen traten zum Teil in langen Hosen an.
Ob es an dieser "unsportlichen Bekleidung" lag, daß man 8:1 verlor, sei dahingestellt. Die Schmach der Niederlage war jedoch Ansporn, so schnell wie möglich einen neuen Sportverein zu gründen, um wieder einen geregelten Spielbetrieb zu ermöglichen. Auf einer nach wenigen Tagen einberufenen Mitgliederversammlung wurden Anton Lübbering zum 1. Vorsitzenden und Willy Berthold zum Geschäftsführer gewählt, um den Fußballbetrieb wieder in Gang zu bringen. Als Namen wählte man "Spielvereinigung" statt des ungeliebten "VfL". Wie alle anderen Fußballvereine trat man später dem DFB nach dessen Neugründung bei. Zum Vereinslokal wurde wieder die Gaststätte Verwohlt bestimmt.
Anfangs war kaum ein Spiel möglich. Deshalb trat man gerne gegen Mannschaften der britischen Armee an. Gerade durch diese freundschaftlichen Begegnungen im Sport wurde das Verhältnis zu den "Besatzern" wesentlich verbessert. Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg wurden Sportvereine gezielt zur Hebung der Volksgesundheit eingesetzt. Der nichtmilitärische Charakter der Vereine war jedoch unabdingbare Voraussetzung.
Als nach einigen Wochen schon eine größere Zahl von alten Sportlern aus der Gefangenschaft entlassen worden war, kam man zu einer ordentlichen Mitgliederversammlung zusammen. Der nun vollständige Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender: Bernhard Wehling
Stellv. Vorsitzender: Anton Lübbering
Geschäftsführer: Willy Berthold
Kassierer: Bernhard Lansing
Jugendleiter: Franz Zeiske
Leiter d. Turnabt.: Walter Iking
Beisitzer: Josef Pier, Fritz Drillich
Wie auch aus der Aufgabenverteilung im Vorstand ersichtlich ist, schlossen sich die Turner und Leichtathleten zunächst wieder der Spielvereinigung an. Erst Ende 1949 gründeten sie den Turnverein Vreden 1922 unter Vorsitz von Dr. Lütkemeier neu.
Bis dorthin war es aber noch ein beschwerlicher Weg. Gerade die Bürokratie der Militärregierung und die Entnazifizierung mit den damit verbundenen Problemen behinderten eine schnelle Entwicklung. Auch die extrem schlechten Verhältnisse auf dem Platz an der Zwillbrocker Straße waren für einen geordneten Spielbetrieb wenig hilfreich.
Mit Unterstützung durch den Verein wurde der im Krieg schwer verwundete Karl Kampshoff, ein langjähriges Vereinsmitglied, als Hausmeister der Oberschule eingestellt. Mit dieser Tätigkeit am späteren Gymnasium war auch die Stelle als Platzwart verbunden, so daß man über einen "eigenen" Mann in wichtiger Position verfügte.
Da auch in den Nachbarorten die Vereine allmählich wieder entstanden, konnte ab Frühjahr 1946 der regelmäßige Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Generalprobe fand am 17. März 1946 gegen die Reservemannschaft des FC Schalke 04 statt. Vor einer großen Zuschauermenge ging das Spiel mit 5:1 verloren. Im Sommer dieses Jahres wurden auch die Vereinsvermögen allmählich wieder freigegeben.
Ab Beginn der Saison 1946/1947 durften auf Kreisebene Meisterschaftsspiele stattfinden. Weitere Entfernungen waren ohne Probleme auch nicht zu bewältigen, denn vielfach waren die Verkehrsverbindungen noch nicht wiederhergestellt. Zudem war der private Kraftfahrzeugverkehr an strenge Bestimmungen gebunden.
In der Zeit nach dem Krieg war viel Idealismus notwendig, um die Spiele stattfinden zu lassen. Mit Speck, Zigaretten und viel Überzeugungskraft wurden Verkehrsmittel, meist offene Lkw, organisiert. Aber selbst dann war das Ankommen noch nicht gesichert, wenn sich jemand zu feuchtes Holz für den Holzvergaser hatte andrehen lassen.
Die Turnabteilung hatte mit anderen Problemen zu kämpfen. Zum einen wurde die Turnhalle als Notkirche genutzt und stand nur eingeschränkt zur Verfügung. Andererseits kam im Frühjahr 1946 auch das Gerücht auf, in der Turnhalle würden militärähnliche Übungen veranstaltet. Um Probleme mit der Militärregierung zu vermeiden, wurde das Turnen wieder eingestellt. Ferner durften an den Trikots jener Zeit keine Abzeichen angebracht sein, da sie sonst als Uniformen galten, die verboten waren. Nach einiger Zeit begann man schließlich auf der Kegelbahn des Vereinswirts Verwohlt erneut mit Turnübungen.
Am 3. August 1947 sah Vreden dann das bis dahin größte Fußballereignis. Mit Borussia Dortmund stellte sich der Vizemeister der britischen Besatzungszone und amtierende Westfalenmeister einer Kreisauswahl. Vor sage und schreibe 4000 Zuschauern gewannen die Dortmunder 7:1. Die Spielvereinigung stellte mit Rehkopp, Schepers, Lansing und Härter gleich vier Spieler. In der Jugendauswahl, die gegen die Ia-Jugend Dortmunds antrat, waren mit Erning, Witting (Wissing?), Drillich und Feldhaus ebenfalls vier Spieler aus Vreden vertreten.
Besonders stolz war man in Vreden auf die Fairneß der Spieler des Vereins. In den ersten vier Jahren nach dem Krieg wurde nicht ein Spieler des Platzes verwiesen. Dies war im Kreis einmalig. Ungeniert brachte man diesen Umstand dann auch zur Verteidigung vor, als im März 1949 ein Zuschauer einen Platzverweis erhielt, nachdem er den Schiedsrichter geschlagen hatte. Zuvor hatte ein Spieler des VfB Alstätte einen Vredener derart gefoult, daß dieser mit Verdacht auf Beinbruch den Platz verlassen mußte. Meisterschaftsrivale Concordia Gronau hatte jedem Alstätter Spieler für einen Sieg eine Flasche Schnaps versprochen. Vreden hingegen verlor nicht nur den Spieler, sondern auch die Meisterschaft. Das besagte Spiel endete übrigens 1:1.
Die Spielvereinigung hatte in jenen Jahren ohnehin unmäßig viel Verletzungspech. Wie schon der VfL hatte nun auch die SpVgg quasi ein Abonnement für einen Spitzenplatz, für den Aufstieg langte es jedoch nie. Besonders hart erwischte es die 1. Mannschaft im Spieljahr 1949/1950. Bereits im ersten Spiel verlor man drei Spieler durch Verletzung und im Laufe der Saison lag die Zahl der Verletzten zeitweilig bei fünf bis acht. Besonders hart empfand man dabei den Ausfall von Auswahlspieler Hans Härter.
Immer wieder wurde der Sportplatz durch den Einsatz nimmermüder Sportler instand gesetzt. Letztlich erwies er sich aber doch als "zu klein". Deshalb wurden durch die Stadt angrenzende Grundstücke erworben, so daß das Spielfeld vergrößert werden konnte. Unter tatkräftiger Mithilfe der Sportler wurden ab Herbst 1949 Nägel mit Köpfen gemacht, und Vreden erhielt ein Sportstadion, das weit und breit seinesgleichen suchte. Neben dem Fußballfeld und den Leichtathletikanlagen war sogar eine Radrennbahn vorhanden. Finanzielle Förderung erfuhr der Vredener Sport vom Fabrikanten Carl Hecking und der Westdeutschen Toto-GmbH. Während der Bauarbeiten wich man wieder zur Norbertstraße aus.
Als das Stadion am 27. August 1950 offiziell eingeweiht wurde, erwartete die Zuschauer ein buntes Programm. Besonders hervorzuheben ist die Ehrung verdienter Sportler. Hermann Küster und Theo "Dörsken" Siehoff wurden für 20-jährige Mitgliedschaft in der Spielvereinigung geehrt. Theo Siehoff hatte in dieser Zeit mehr als 1000 Spiele für die SpVgg bestritten.
Zur Eröffnung des Stadions wurden u. a. zwei Freundschaftsspiele ausgetragen. Die Spielvereinigung unterlag dem TuS Stadtlohn mit 3:1 weniger deutlich als die Kreisauswahl, die sich dem Oberligisten TSV Hüls mit 5:1 geschlagen geben mußte.
Der Vorstand im Jahre 1950 setzte sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender: Dr. Karl Brambrink
Stellv. Vorsitzender: Anton Lübbering
Geschäftsführer: Heinrich Pennekamp
Stellvertreter: Georg Feldhaus
Kassierer: Josef Resing
Jugendleiter: Franz Zeiske
Beisitzer: Willy Amerongen, Bernhard Wehling
Fußballobmann: Karl Kampshoff
Stellvertreter: Dr. Alois Benneker
Leichtathletikwart: Heinz Hertel
Zwischenzeitlich waren auch Heinrich Wesseler als Beisitzer und Johann Hilbing als Gerätewart Mitglied im Vorstand gewesen.
Im neuen Widukind-Stadion gelang der SpVgg dann auch endlich der langersehnte Aufstieg. Mit 39:5 Punkten und 85:25 Toren wurde man unter dem neuen Vorsitzenden Anton Lübbering Meister der 1. Kreisklasse und stieg im Jubiläumsjahr 1951 in die Bezirksliga Emsland auf. Erstmals seit Auflösung der DJK-Gauliga konnte man sich also überkreislich mit anderen Vereinen in der Meisterschaft messen.
SpVg Vreden wurde geehrt
Vreden feierte seine Fußballmannschaft nach dem die Serie der Punktspiele beendenden 4:2-Sieg gegen Germania Asbeck. Vreden wurde als beste und beständigste Mannschaft des Kreises Meister in der 1. Kreisklasse. Ein Umzug, Ueberreichung von Blumengebinden durch den Verband und die Stadtverwaltung und strahlende Gesichter waren die äußeren Zeichen dieses frohen Tages. Die MZ wünscht an dieser Stelle weiterhin viel Erfolg bei seinem Weg in der Kreisklasse Emsland.
(Michael Cluse 1996)
| 1. |
SpVg Vreden |
22
|
18
|
3
|
1
|
85:25
|
39:5
|
|
2.
|
Adler Weseke
|
21
|
15
|
0
|
6
|
72:34
|
30:12
|
|
3.
|
FC Südlohn
|
22 |
12 |
3 |
7 |
59:48 |
27:17 |
| 4. |
FC Oeding |
22 |
12 |
1 |
9 |
55:54 |
25:19 |
| 5. |
Germ. Asbeck
|
22
|
10
|
2
|
10
|
51:42
|
22:22
|
|
6.
|
VfB Alstätte
|
21 |
9 |
3 |
9 |
43:38 |
21:21 |
| 7. |
Union Wessun |
21 |
9 |
3 |
9 |
44:41 |
21:21 |
| 8. |
SuS Legden |
21 |
7 |
4 |
10 |
41:51 |
18:24 |
| 9. |
SV Heek |
22 |
7 |
4 |
11 |
30:39 |
18:26 |
| 10. |
FC Epe II |
22
|
7
|
3
|
12
|
30:52
|
17:27
|
|
11.
|
TuS Wüllen
|
22
|
5
|
3
|
14
|
40:63
|
13:31
|
|
12.
|
FC Ottenstein
|
21
|
4
|
0
|
17
|
28:67
|
8:34
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Literaturverzeichnis
Hardy Grüne Enzyklopädie der europäischen Fußballvereine, 2. Aufl., Kassel 1995.
Heinz Haarmann Die Geschichte des Vereins, in: 50 Jahre TV 22 e.V. Vreden, hrsg. v. TV Vreden, Vreden 1972, S. 21 - 39.
Georg Kremer 50 Jahre Sp.Vgg. Vreden in Wort und Bild, in: 50 Jahre Spielvereinigung Vreden 21, hrsg. v. d. Sp.Vgg. Vreden, Vreden 1971.
Alfred Laumann Spiel- und Sport im Kreise Ahaus, in: Ahauser Kreiskalender 1923, hrsg. v. Kreis Ahaus, Bocholt 1923, S. 42 - 43. (Nachdruck in: Ahauser Kreiskalender 1923 - 1927, hrsg. v. Kreis Borken, Borken 1982, S. 46 - 47.)
Franz Leuters Kreis Ahauser Chronik - Alte Zeitungsbände berichten von 1900 bis 1920 - Zeitungsnotizen aus der Provinz, Ahaus 1990.
Anton Lübbering Kurzer Überblick der Vredener Sportgeschichte, in: Festschrift zur Einweihung des Widukind-Stadions, Vreden 1950, S. 29 - 49.
o. V. 25 Jahre FC Vreden 1952 - 1977, hrsg. v. FC Vreden 52, Vreden 1977.
o. V. 60 Jahre - Festschrift FC Viktoria Heiden e. V., hrsg. v. FC Viktoria Heiden, Heiden 1981.
Ludwig Remling Die "Deutsche Jugendkraft" im Emsland - ein Beitrag zum Vereinssport in den zwanziger und dreißiger Jahren, in: Jahrbuch des emsländischen Heimatbundes, Band 42, o. O. 1996, S. 9 - 31.
Dietmar Sauermann Nachbarschaften und Vereine, in: Heimat und Arbeit - Der Kreis Borken, hrsg. v. Konrad Theiss und Hans Schleuning, Stuttgart 1982.
Ulfert Schröder Fußball in Deutschland, in: Fußball-Weltgeschichte, hrsg. v. Fritz-Walter-Fonds, München o.J., S. 68 - 81.
F. A. Schmidt Aus der Vorgeschichte und Entstehung des Westdeutschen Spielverbandes, in: Jubiläumsschrift des Westdeutschen Spielverbandes e. V. 1899 -1924, hrsg. v. Westdeutschen Spielverband, Elberfeld 1924, S. 109 -113.
Josef Volks Vreden - eine sportliche Stadt, in: Vreden nach 1150 Jahren, hrsg. v. d. Stadt Vreden, Vreden 1989, S. 437 - 463.
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