Fusionsversuch SpVgg - FC (1987)

Einladung zur Mitgliederversammlung:
Tagesordnungspunkt: Auflösung des Vereins (Zusammenschluß FC und SpVgg Vreden)

Schwarz Gelb Vreden

Liebe Fußballfreunde des FC und der SpVgg Vreden!
Es ist jetzt lange genug geredet worden, aus unseren beiden Vereinen einen "Großverein" zu machen; jetzt müssen Taten folgen,

Auf Vorstandsebene sind wir schon lange einig; was fehlt ist ein Zusammengehen der Mitglieder. In anderen Orten haben sich schon viele Vereine zusammengeschlossen, weil sonst vor allem keine Jugendarbeit mehr möglich ist. Es gibt im Westdeutschen Fußballverband schon einige Vereine ohne Jugendmannschaften, weil der Nachwuchs fehlt. Auch die Vereinsfinanzen lassen bei ständig nachlassender Besucherzahl sehr zu wünschen übrig. Andere reichlich angebotene Sportarten nehmen uns die Jugendlichen weg. 5 Fußballvereine für ca. 18 000 Einwohner sind zuviel.

Um in Vreden in der Zukunft noch attraktiven Fußball spielen zu können, sind die Vorstände unserer beiden Vereine einig darüber, das nach Zustimmung der Mitglieder eine Fusion stattfinden muß. Eine Fusion in der beide Vereine weiterleben.

Es werden keine Mannschaften auseinander gerissen. Es wird ein Weg gefunden werden, der es ermöglicht die Mannschaft zusammen zu lassen (z.B. ältere Herren); auch Damenfußball wird es weiter geben. Für 4 Jahre wird der Vorstand je zur Hälfte aus altem FC- und SpVgg.- Vereinsmitgliedern gebildet um die Parität zu wahren.

Beide Unterzeichner dieses Aufrufes werden nicht zur Wiederwahl zur Verfügung stehen, sollte dieser letzte Versuch scheitern in Vreden einen Großverein zu bilden.

Unser Bestreben wird auch von der Stadt Vreden unterstützt. Vertreter der Stadt werden anwesend sein, wenn am
Sonntag, den 27.09.1987 um 10.00 Uhr
in den jeweiligen Vereinslokalen abgestimmt wird. Sie werden vorher auch dazu Stellung nehmen.

Helft uns, um auch in den kommenden Jahren in Vreden noch einen Fußballverein mit guter Jugendarbeit zu haben.

FC Vreden                                                                              SpVgg Vreden

Alois Wissen                                            Dieter Brauckmann

Vreden, den 16.09.1987

In Vreden wird über die Fusion von FC und SpVgg abgestimmt
Zweidrittelmehrheit erforderlich

Die Distanz, die am Sonntag morgen der kleine der beiden Uhrzeiger zwischen 10 und 12 zurücklegt, wird in der Grenzstadt Vreden, was den sportlichen Aspekt betrifft, ganz besonders interessiert verfolgt werden. Während dieser Zeit tickt natürlich keine Zeitbombe, aber große Spannung ist angesagt: um 10 Uhr eröffnen die Vereine SpVgg 21 und FC Vreden 52 ihre Generalversammlungen in den Vereinslokalen Watzlawek, resp. Bußmann. Einziger Tagesordnungspunkt: Fusion der beiden Vereine Ja oder Nein.

Die Meinungen der Anhänger hierüber sind nicht einheitlich. Vielleicht einen Deut zum positiven Resultat (also Zusammenschluß) überhängend bei der SpVgg. Aber auch hier werden Zweifel daran laut, daß die erforderliche Mehrheit von Zweidritteln erreichbar ist. Als "gebrannte Kinder" scheuen sie das Feuer, denn schon vor Jahren wurden Versuche zur Gemeinsamkeit gestartet, die schließlich dann doch negativ verliefen. Allerdings, darauf wurde ausdrücklich verwiesen, nicht durch den Entscheid der Mitglieder der SpVgg Vreden.
Kein "schwarter Peter"
Grundfalsch und den Bemühungen der beiden Vorstände nicht gerecht werdend, wäre eine Schuldzuweisung zu irgend einer Seite, wenn die (wie vielfach vermutet) hohe Prozentziffer nicht erreicht würde.

Vor allem beim FC Vreden 52 ist das Gefühl der Eigenständigkeit in der Basis unerwartet fest verankert. Es ist halt eine Ansichtssache, die jeder mit sich selber abmachen muß. Auf der einen Seite steht die zweifellos zu erwartende Steigerung vorallem der Fußball-Wertigkeit in Vreden, die, gemessen an den Nachbarvereinen, sehr im Argen liegt. Andererseits ist Fußballspielen und gewinnen, resp. verlieren, ein relativer Begriff; die Akzente, höheren Leistungsfußball zu sehen, oder unter allen Umständen bei dem eigenen Verein auf dem Sportplatz und in seinem Geschehen eingebunden zu sein, muß jeder nach eigenem Urteil setzen. Wobei jedoch keinesfalls aus dem Auge gelassen werden darf, daß ein Verein nur mit Leben erfüllt werden kann, wenn das Existenzminimum gesichert ist. Mit der Aufrechterhaltung eines Vereins nur um des Vereins Willen ist keinem gedient.

Stadt wird aktiv
Gut informiert über die Ausgangsposition sind gewiß die Vertreter der Stadt Vreden, Bürgermeister Becking und 1. Beigeordneter Wispel. Noch am vergangenen Dienstag gab es zwischen den fusionswilligen Vorständen und den genannten Offiziellen der Stadt eingehende Erläuterungen. Einzelheiten waren nicht zu erfahren. Nur soviel, daß sich Bürgermeister Becking am Sonntag morgen ins Vereinslokal Bussmann (FC) und der 1. Beigeordnete Wispel nach Watzlaweck (SpVgg) bemühen, wo sie sich sicherlich noch zu Worte melden werden.

Keine Prognosen
Prognosen gab es hüben wie drüben offiziell keine. Für den nicht zur Verfügung stehenden 1. Vorsitzenden der SpVgg, Dieter Brauckmann, sagte Helmut Weddehage in seiner Eigenschaft als 2. Vorsitzender: "Unser Vorstand befürwortet die Fusion aus rein sportlichen Erwägungen. Das letzte Wort aber spricht die Versammlung in geheimer Wahl. Im Verein herrscht demokratische Entscheidungsfreiheit. Die wird natürlich respektiert".

Norbert Nünning, Geschäftsführer des FC 52, sah es im Sinne nach genau so: "Worum es geht, ist jedem Mitglied und Wahlberechtigten bekannt. Mündige Menschen müssen verantwortungsvoll die Entscheidung fällen".

Die RN werden aus beiden Wahllokalen berichten

(Bericht Ruhrnachrichten vom 24.09.1987)

Fusion in Vreden gescheitert

SpVgg zu 82% 131 Ja-Stimmen, 26 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen dafür,

FC mit 76% 86 Nein-Stimmen 28 Ja-Stimmen bei 2 ungültigen dagegen.