Die Spielvereinigung Vreden 1921/DJK (1921-1934)

Binnen weniger Jahre stieg die erste Mannschaft der Spielvereinigung bis in die Gauklasse Münsterland auf. Die Herbstmeisterschaft in der B-Klasse holte man 1922 (?) mit 8 Siegen in 9 Spielen und einem Torverhältnis von 61:11. Wie man anhand der Tordifferenzen und der geringen Anzahl von "Unentschieden" gut erkennen kann, war die Leistungsstärke der Mannschaften höchst unterschiedlich.

 

 

Spiele

gew.

un.

verl.

Tore

Pkte.

Vreden

9

8

0

1

61:11

16

Ottenstein

9

7

0

2

14:8 

14

Stadtlohn

8

7

0

1

11:11

14

Dömern

9

5

1

3

26:17

11

Wessum

8

4

0

4

26:15

8

Gronau

7

3

0

4

 9:13

6

Wüllen

8

3

0

5

13:16

6

Epe

8

2

1

5

 6:11

5

Heek

9

1

1

7

 6:33

3

Nienborg

9

0

1

8

11:48

1

 

(Originalzeitungsausschnitt im Festbuch 50 Jahre SpVgg)
Die Anreise zu den auswärtigen Gegnern war beschwerlich und teuer, wobei die anfallenden Kosten selbstverständlich von den Spielern übernommen wurden. Während die nähergelegenen Orte noch mit dem Fahrrad zu erreichen waren, falls man eines hatte, wurden für die Auswärtsspiele in der Gauliga oft motorisierte Verkehrsmittel notwendig. Anfangs erfolgte die Anreise auf der Ladefläche eines Lkw. Später reiste man mit dem Bus des Dachdeckers Hans Josten.

Von einer bemerkenswerten Anreisetechnik berichtet eine Festschrift des FC "Viktoria" Heiden:

"Hatte man ein Spiel in einem anderen Ort ausgemacht, so mußte man mangels eines Beförderungsmittels dort hinlaufen. Besaß aber jemand ein Fahrrad, so mußte dieser zwei Mitspieler darauf mitnehmen. Nach einem Kilometer Fahrt wurde das Gefährt abgestellt und es ging per Pedes weiter. Die zu Fuß folgenden Mitspieler übernahmen das Rad und holten die erste Gruppe ein. Dann blieb das Fahrrad wieder stehen für die Nachfolgenden. So erreichte man trampelnd oder mitfahrend in Etappen das Ziel."

Sicherlich gab es auch in Vreden und anderen Orten ähnliche "Fortbewegungstechniken". Gerade bei den Reserve- und Jugendmannschaften, die nicht so im Blick der Öffentlichkeit standen, war Improvisationskunst gefragt.

Die herausragenden Spieler jener Zeit waren Ludwig Siehoff (halbrechts), Georg Waning (linker Verteidiger), Mittelläufer Heinrich Bußmann und der Spieler Pottas, dessen "stramme Schüsse" den Vredenern regelmäßig zum Sieg verhalfen. Nicht alle Spieler dieser Tage waren gebürtige Vredener, denn durch Zoll und Amtsgericht kamen regelmäßig neue starke Fußballer nach Vreden.

Im Jahre 1926 berichtete die Ahauser Kreiszeitung von einem Maigang der Spielvereinigung. Am 2. Mai, einem Sonntag, zog man frühmorgens nach Südlohn, um dort zunächst die hl. Messe zu feiern. Eine "ansehnliche Zahl" von Mitgliedern nahm an diesem Maigang teil, der mit einem Spiel gegen Südlohn abgeschlossen wurde.

Während der zwanziger Jahre wurde auch der Platz an der Zwillbrocker Straße in einen ordnungsgemäßen, also waagerechten, Zustand gebracht. Aus nicht mehr bekannten Gründen dauerte diese Maßnahme ganze fünf Jahre. In Eigenarbeit wurde für diese Zeit ein Ersatzplatz an der Norbertstraße geschaffen.

Obwohl der Turnverein Vreden als eigenständiger Verein existierte, stellte die Spielvereinigung ebenfalls eine Turn- und Leichtathletikriege. Über die Grenzen Vredens hinaus war die aus den acht Tigges-Brüdern bestehende Turnriege bekannt.

Der Vorstand setzte sich Ende der zwanziger Jahre aus folgenden Herren zusammen:

 Präses:   Kaplan Kruse
 Ehrenvorsitzender: Johann Schwering
 Vorsitzender:  Karl Kremer
 Stellv. Vorsitzender: Leo Böning
 Beisitzer:  Franz Feller und Franz Drillich
 Jugendobmann: Bernhard Waning
 Schriftführer:  Josef Lütjenhuis
Zwischenzeitlich hatten auch Gerhard Weissing und der Betriebsleiter Seifert den Vorsitz übernommen.

Ein besonderer Höhepunkt dieser Zeit waren die Spiele gegen Zevenaar (NL) und Berlin-Spandau. Die Mannschaft reiste damals in den bei Arnheim gelegenen Ort und gewann "durch Kampf und Leistung" 5:2. Ostern 1929 ging auf dem Platz von DJK Stadtlohn ein Spiel gegen Spandau 1911, den damaligen Landesmeister Mitteldeutschland, mit 4:2 verloren.

Die Spielvereinigung war unter Spielführer Paul Wichmann auch in der Gauklasse eine der besten Mannschaften, obwohl ihr nie der Titelgewinn gelang. Am 19. März 1933 ging der Aufstieg in die neue Gau-Sonderklasse erst nach einem Entscheidungsspiel gegen Eintracht Coesfeld in der Verlängerung verloren. Für die Auswahlmannschaft des Gaus Nord-Münsterland stellten die Vredener regelmäßig einige Spieler.

Auch die zweite Mannschaft spielte stark und stieg bis in die A-Klasse auf. Die Ia-Jugend konnte in der Saison 1926/1927 die Meisterschaft erringen. Aufgrund ihrer Spielstärke wurde die Ia-Jugend 1930 zu einem überregionalen Pfingstturnier nach Gelsenkirchen eingeladen. Über den Erfolg der Mannschaft ist leider nichts überliefert (was ein schlechtes Zeichen sein könnte...). Die Vereinsfarben wechselten spätestens gegen Ende der zwanziger Jahre zu den Stadtfarben Blau-Gelb.

Die folgenden Sportler zählten in dieser Zeit zu den Stammspielern im Seniorenbereich: Amerongen, Beutler, Boll, Dünne, Effing, Frenefort, Garwer, Hesse, Küsters, Anton Lübbering, Josef Lübbering, Mehlmann, Powiersky, Rotering, Scherer, Anton Siehoff (I und II), Ludwig Siehoff, Theo Siehoff, Sokulowsky, Spillner, Steinert, te Kampe,Tenostendarp, van Riessen und Wichmann.

Anfang der dreißiger Jahre hatte der Verein ca. 250 Mitglieder, von denen etwa 150 (!) auch aktiv spielten. Insgesamt waren es bis 1933 fünf Mannschaften. Während der Wintermonate sorgte zudem die Theatergruppe der Spielvereinigung für Unterhaltung. Das Vereinslokal der Spielvereinigung befand sich von Anfang an in der Gaststätte Verwohlt, die später von den Familien Watzlawek und Dolic übernommen wurde.

Präses der Spielvereinigung war bis 1926 Kaplan Nordhoff. Sein Amt übernahm nach seiner Versetzung Kaplan Kruse. Dessen Nachfolger wurde Kaplan Stratkötter, der spätere Lüntener Pfarrer. Er war zuvor schon Präses bei Schwarz-Weiß Lüdinghausen gewesen und somit "fußballerfahren".

Außer den sportlichen und religiösen Aktivitäten nahmen verschiedene Mitglieder der Spielvereinigung am freiwilligen Arbeitsdienst teil und halfen wie auch die Mitglieder des Turnvereins bei den Bauarbeiten an der städtischen Freibade- und Schwimmanstalt an der Berkel, in der heute die Rechtsanwaltskanzlei Gawantka untergebracht ist.
 
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