SpVgg Vreden 1921/DJK und FC Vreden (WSV)

Aus heutiger Sicht erscheint es selbstverständlich, daß der Deutsche Fußballbund (DFB) mit seinen Regionalverbänden den alleinigen Fußballverband darstellt. Vor 75 Jahren hingegen hatten die Sportvereine mehrere Sportverbände zur Auswahl, von denen verschiedene auch Fußballmeisterschaften austrugen.

Die wichtigsten Sportverbände waren damals der DFB, die Deutsche Turnerschaft (DT), der sozialistische Arbeiter-Turn- und Sportverband (ATSB) sowie die DJK, die allesamt auch in den Reichsausschuß für Leibesübungen aufgenommen wurden.

Der Sportverband "Deutsche Jugendkraft - Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen" (DJK) wurde am 16. September 1920 in Würzburg gegründet und hatte die Pflege des Sports in katholischen (Männer-)Vereinen als Ziel. Frauenturnen wurde im DJK-Verband erst ab 1928 gefördert. "Rohe" Sportarten, wie etwa das Boxen, waren in der DJK verboten, Personenkult war unerwünscht. Das evangelische Pendant war der Verband evangelischer sporttreibender Vereine "Eichenkreuz".

Von den Mitgliedern der DJK-Vereine wurde verlangt, daß sie einem der Trägerverbände, z. B. einem Arbeiter - oder Gesellenverein, angehörten. Auch an dessen religiösen Veranstaltungen wurde eine aktive Teilnahme erwartet. Der zweite Sonntag des Monats war Familiensonntag und somit wettkampffrei. An den übrigen Sonntagen wurden die Wettkämpfe so gelegt, daß ein Meßbesuch möglich war. Oft wurde auch die Sportveranstaltung selbst mit einer Andacht verbunden.

Die Achtung des Vereins wurde in hohen Ehren gehalten. Alkoholische Getränke waren auf dem Sportplatz verboten und Mädchen durften zum "Spielplatz oder sonstigen Veranstaltungen" nicht "mit sich geführt" werden.

Bemerkenswert war die starke regionale Orientierung des DJK-Verbands. Über den Kreisligen gab es nur die Gauliga, höhere Spielligen waren nicht vorgesehen. Da die Sportler die Reisekosten selbst zu tragen hatten, war diese Beschränkung wohl von Vorteil, da das Fußballspielen bezahlbar bleiben mußte. Für die DJK-Vereine des Bistums Münster war der DJK-Kreis Rhein-Weser mit Sitz in Düsseldorf zuständig. Er stellte auch die Startbücher aus, die mit den heutigen Spielerpässen vergleichbar waren.

Angesichts des katholischen Hintergrundes der Spielvereinigung ist wohl keine lange Diskussion über die Verbandszugehörigkeit notwendig gewesen. Unter dem vollständigen Namen "Spielvereinigung Vreden 1921/DJK" ging man mit schwarz-roten Trikots in die erste Saison.

Andere Spieler hatten, wie bereits erwähnt, im Frühsommer 1921 den FC Vreden 1921 gegründet. Dieser war dem WSV als zuständigem Regionalverband des DFB angeschlossen und spielte 1923 in der C-Klasse des WSV, während die SpVgg zu dieser Zeit in der B-Klasse der DJK spielte. Beide Mannschaften galten als gleich stark, so daß man annehmen darf, daß die B-Liga des WSV in der hiesigen Gegend stärker war als die B-Liga der DJK.

Über den FC Vreden 1921 ist nur wenig überliefert. Am 26. August 1921 wurde ein Gesuch, den städtischen Sportplatz benutzen zu dürfen, wegen übermäßiger Belastung desselben abgelehnt. Am 23. Juni 1924 wurde der "Fußballklub 1921" auf eigenes Gesuch hin dem Ortsausschuß für Jugendpflege unterstellt, um an den städtischen Zuschüssen beteiligt zu sein. Später in diesem Jahr löste sich der FC 1921 wegen Spielermangels auf, wobei bzw. weil sich die verbliebenen Mitglieder der Spielvereinigung anschlossen. Im FC 1921 ist somit ein Vorläufer der heutigen Spielvereinigung und nicht etwa des FC Vreden 1952 zu sehen.

Weitere Vereine aus dem Vredener Raum, die sich z. T. aber erst später gründeten, waren TuS "Arminia" Ellewick (Gründung unbekannt), Grün-Weiß Lünten (1930), SV Ammeloe (1923) und Dömern (ca. 1922), alle Mitglied im DJK Verband. Im WSV war Vreden nach Auflösung des FC 1921 nicht mehr vertreten. Eine weitere Mannschaft stellte vorübergehend der Verein "Vredener Turnerbund" auf. Sie löste sich jedoch nach kurzer Zeit wieder auf. Zum Teil schlossen sich Vereine auch einem Verband an, ohne an den Meisterschaftsspielen teilzunehmen, wie z. B. DJK Viktoria Heiden.

Die Turnabteilung der Spielvereinigung machte sich am 25. September 1922 unter der Führung von Klemens Vogt und Präses Nordhoff selbständig und schloß sich der Deutschen Turnerschaft (DT) an. Bereits vorher hatte die Stadt der Turnabteilung einen Barren und ein Pferd zur Verfügung gestellt.

Die Faustballmannschaft verblieb vermutlich bei der SpVgg, über ihren weiteren Werdegang ist jedoch leider nichts überliefert. Später stellte die SpVgg auch wieder eine Turnriege sowie eine Handballmannschaft.

 
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